Die Nr. 1 im Norden

v.l.n.r. myself, 2x Zickelbein, Klein, Doberitz, Meißner, van Delft, van Wely

Während es in der WM-Partie gestern mal wieder ein recht saftloses Remis zu sehen gab, habe ich mir die Zeit genommen, um über das Event am vergangenen Wochenende zu schreiben. Und nein, ich meine nicht den hochverdienten Sieg von Chelsea gegen Bayern, sondern das Schach-Fußball-Turnier am Sonntag ca. 750km weiter nördlich, nämlich in Bremen.

Wenn man als Hamburger nach Bremen fährt, geht es um mehr als nur Fußball oder Schach. Freundschaftsspiele hin oder her, es geht um die ewige Frage, wer ist die beste Mannschaft im Norden. Letztes Jahr wurde der HSK nur Dritter, was den Ansprüchen des größten Klubs Deutschlands nicht gerecht werden konnte. Deshalb traten wir dieses Jahr in bestmöglicher Aufstellung an und holten uns noch Verstärkung von außerhalb. Merijn van Delft ließ seine Beziehungen spielen und brachte den Weltklassespieler Loek van Wely mit nach Bremen. Hier einmal das komplette Team:

Trainer: Eva-Maria Zickelbein

Torwart: Raimund Klein

Verteidigung: Loek van Wely

Mittelfeld: Paul Doberitz, Felix Meißner, Merijn van Delft und ich

Sturm: Benjamin Zickelbein

Erst spielten alle sechs Mannschaften beim Fußball jeweils einmal gegeneinander und danach gab es im Schach eine Doppelrunde. Bei nur vier Feldspielern auf dem Platz bot es sich an, mit der Hamburger Raute zu spielen. Und diese Strategie sollte gegen unseren ersten Gegner, Bremen West, auch direkt fruchten. Mit flinken Spielern auf den Außen konnten wir permament Druck ausüben und kamen zu einem ungefährdeten 4:0 Sieg.

Ihr Autor kurz vor dem Treffer zum 4:0 gegen Bremen West

Auch unsere nächsten beiden Gegner, Deep Chess und Delmenhorster SK, konnten unserem Hurra-Fußball nichts entgegensetzen. 3:0 und 5:1 waren die Endresultate. Daraufhin waren unsere letzten beiden Kontrahenten, Jena Fußbrothers und Werder Bremen, natürlich gewarnt und verteidigten mit Mann und Maus in der eigenen Hälfte. Gegen Jena gab es ähnliche Ballbesitzverhältnisse wie im Rückspiel Barcelona gegen Chelsea in der CL, aber leider kein Tor. Die letzten viereinhalb Minuten kann man sich übrigens hier anschauen:

Gegen Werder Bremen gab es lange ein ähnliches Szenario, doch irgendwann hatte Benjamin die Schnauze voll und drosch den Ball zum 1:0 Endstand in den Winkel.

Damit war der Grundstein schon mal gelegt, jetzt hieß es im Schach nichts anbrennen zu lassen. Und dort wurde es tatsächlich auch nur einmal knapp. Gegen Deep Chess nahm Sarah Hoolt mein Remisangebot bei 10 gegen 18 Sekunden in einem remisen Turmendspiel an. Manch anderer hätte da vielleicht auf Zeit gezockt, schönes Fairplay! So kamen wir zu einem 3,5-2,5 Erfolg und standen schon vor den letzten Runden als Sieger fest. Das Sahnehäubchen war dann das 6:0 gegen Werder Bremen in der letzten Runde.

Werder Bremen - HSK

Das eloschwerste Duell des Tages: GM Gennadij Fish (Elo 2475) gegen GM Loek van Wely (Elo 2682)

Ich maße mir mal an, noch eine kurze Einzelkritik zu jedem Spieler zu schreiben:

Raimund Klein: Raimund erinnerte mich ein wenig an Manuel Neuer. Er bekam nicht viele Schüsse aufs Tor, aber wenn es darauf ankam, war er da. Leider leistete er sich (ähnlich wie Neuer gegen Gladbach) einen Patzer, der zu unserem einzigen Gegentor führte. In dem Spiel war es beim Stand von 5:0 allerdings ohne jede Bedeutung. Im Schach gab sich Raimund keine Blöße und erzielte 6,5/7 Punkte.

Loek van Wely: Loek spielte in der Abwehr und räumte dort alles ab; selten passierte es, dass ein Spieler an ihm vorbeikam. Aber auch in den Angriff schaltete er sich mit ein, erzielte ein schönes Tor mit dem Außenrist. Über seine schachlichen Qualitäten braucht man keine Worte verlieren, nur einmal hatte er das Nachsehen gegen GM Gennadij Fish. Ansonten makellos, 9/10 Punkte.

Merijn van Delft: Merijn zeigte sehr großen Einsatz und war überall auf dem Platz zu finden. Aber manchmal wollte er ein bisschen zuviel und musste  sich den Vorwurf gefallen lassen - übrigens ähnlich wie sein Landsmann vom FC Bayern - ein wenig egoistisch zu spielen. Im Blitzen war Merijn gewohnt stark, 7/8 Punkte sprechen für eine solide Leistung.

Paul Doberitz: Paul ist ein sehr universeller Spieler, der eigentlich auf allen Positionen spielen kann. So schaltete er sich auch in den Angriff ein und erzielte zwei schöne Tore. Beim Schach dagegen hielt er sich etwas zurück; das Schlafdefizit aufgrund nächtlicher Aktivitäten machte sich bemerkbar. 5/8 Punkte sind aber natürlich auch noch vollkommen okay.

Felix Meißner: Felix hat ein sehr gutes Ballgefühl und einen schnellen Antritt. Wenn er über die Außen kam, wurde es stets gefährlich. Noch hervorzuheben ist, dass er sich nicht zu schade war, auch den Ball in aussichtsreicher Position uneigennützlich nochmal abzulegen. Beim Schach war Felix nicht zu stoppen und erreichte wohl als einziger Spieler 10/10 Punkte. Chapeau!

Benjamin Zickelbein: Definitiv der wichtigste Spieler beim Fußball. Der Vereinsspieler vom SC Sternschanze erzielte nicht nur sechs Tore, sondern gab noch mehrere Assists. Beim Schach spielte er nur drei Partien, welche er aber alle gewann.

Das war mein erstes Schach-Fußball-Turnier und mit Sicherheit nicht mein Letztes. Ein wirklich schönes Turnier, wo natürlich der Spaß im Vordergrund stand, aber trotzdem alle verbissen kämpften. Kompliment an den Ausrichter Werder Bremen, der ein rundum gut organisiertes Turnier auf die Beine gestellt hat!

Endstand:

 

Mannschaft

Punkte

  Brettpunkte + Tore *2

1.

Hamburger SK

19 : 1

78

2.

Deep Chess

11 : 9

42

3.

fuß brothers Jena

11 : 9

33.5

4.

Werder Bremen

10 : 10

38

5.

Delmenhorster SK

7 : 13

30.5

6.

SK Bremen-West

2 : 18

8

Die strahlenden Sieger

 Partie des Monats

Ganz ohne Schach möchte ich natürlich auch nicht schließen. Ich hatte die Partie schon in einem Video analysiert, jetzt gibt es sie auch nochmal in Textform: April 2012: Kramnik - Aronian